Wer bedeutungsvolle Sehenswürdigkeiten erwartet, wird von Alūksne vielleicht enttäuscht sein. Aus meiner Sicht ist dies jedoch nicht nötig. Der nach der Kleinstadt (etwa 6.300 Einwohner) benannte See „Alūksnes ezers“ ist die Basis für ein sehr schön gestaltetes Erholungsgebiet. Natürlich gibt es auch einige Sehenswürdigkeiten. Dennoch: Diese sind keine Touristenspektakel, „einfach“ nur entschleunigen.
Wer nur wenig Zeit für seinen Besuch in Lettland hat und den Fokus auf historische Städte und Baudenkmäler setzt, den würde ich demnach nicht unbedingt zu einem Übernachtungs-Stop in Alūksne raten.
Ein wesentlicher Grund, dass wir Alūksne besucht haben, war die Aussicht, einen 33 km-Ausflug mit der Schmalspurbahn nach Gulbene und zurück zu unternehmen. Die mit Hilfe der lettischen Bahn von der Gesellschaft SIA „Gulbenes–Alūksnes bānītis“ betriebene Strecke dient auch heute noch dem regulären Personentransport. Der Erhalt der Bahnlinie wird von der EU gefördert und ist als „Nationales Kulturerbe Lettlands“ geschützt.
Der deutsche Theologe Ernst Glück übersetzte erstmalig die Bibel in die lettische Sprache. Ende des 17. Jahrhunderts lebte er fast 20 Jahre in Alūksne und arbeitet hier als Pfarrer. In dieser Zeit kümmerte er sich sehr um die Bildung der Kinder des Ortes. Seine Bibelübersetzungen waren wichtiger Teil der Herausbildung eines lettischen Nationalgefühls
Die Person Ernst Glück und seine Frau Christine sind mit einer „Kaum-zu-glauben“-Story verbunden. Die Tochter eines Bauern, Marta Helena Skowrońska wurde schon in frühen Kinderjahren Vollwaise und kam als Ziehtochter und spätere Magd zur Familie Glück. Marta muss wohl eine sehr starke, aber wohl auch liebevolle Frau gewesen sein. Immerhin schaffte sie es in die Annalen der Geschichte als längjährige Gefährtin, zweite Ehefrau und Thron-Nachfolgerin des russischen Zar Peter I., der Große. Als 1705 Ernst Glück bereits im Alter vom 51 Jahren verstarb, sorgte Marta, nunmehr Zarin Katharina I. für die materielle Absicherung der Witwe und der sechs Kinder.
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